Nie wieder Mummy-Blogs!

Riesige Wohnungen, teure Kleidung, tiefentspannte Frauen. Professionelle Mütter-Blogs erschaffen ein unrealistisches Bild von Mutterschaft. Über den ersten und letzten Besuch in einer geschönten Welt.

Es ist abends. In der Wohnung ist es still geworden. Das Kind schläft. Zumindest vorläufig. Ich sitze vor meinem Laptop und nutze die Zeit, um einen Blick in die weite Welt zu werfen. Meine ist ziemlich klein geworden, seit meine Tochter vor vier Monaten auf die Welt gekommen ist.

Nach nur wenigen Klicks lande ich auf der Seite von Hauptstadtmutti. Ein Blog, der sich explizit an Mütter richtet und verspricht, alle Aspekte des Mutterseins zu beleuchten. Ich klicke mich durch einige Porträts und Homestorys anderer Frauen. Nach kurzer Zeit fühle ich mich schlecht. Außer mir haben scheinbar alle Geld für riesige Altbaupaläste und teure Designerkleidung. Und dass trotz eines »kreativen« Berufs.

Ich klicke weiter. Die Auswahl ist riesig. Bei Mummy Mag und Little Years das gleiche Bild. Fällt nur mir auf, dass sich sowohl die Blogs, als auch die vorgestellten Wohnungen, Kleidungsstile und Lebensentwürfe enorm ähneln?

Tiefenentspannt in riesigen Wohnungen

Die Optik der Blogs ist hell und freundlich: klare schwarze Schrift vor weißem Hintergrund. Die vorgestellten Wohnungen sind dunkelgrau, petrol oder schwarz gestrichen. Ein großer Esstisch muss es sein – natürlich nicht mit passenden Stühlen. Ein Mix aus Flohmarkt- und Designerstücken beweist der Welt Stilsicherheit. Im Gegensatz zu den eher dunkel gehaltenen Wohnräumen stehen die pastellfarben gestrichenen Kinderzimmer. Mehr als einmal baumelt ein unterarmdicker Ast als Kleiderstange von der Decke.

Was mich aber am meisten erstaunt, sind die vorgestellten Frauen selbst. Tiefenentspannt stehen sie in ihren riesigen Wohnungen. An ihren vom Yoga gestählten Körpern, die neueste Designermode. Laut Statistischem Bundesamt sind Frauen durchschnittlich 55,3 Stunden pro Woche mit Arbeit, Familie und Haushalt beschäftigt. Für Sport und die Beschäftigung mit dem eigenen Aussehen bleibt da theoretisch wenig Zeit. Wie machen die das?

Mummy-Blogs sind unrealistisch

Und wer zahlt eigentlich die Miete für die Altbauwohnung in Prenzlauer Berg, wenn mummy zum dritten Mal schwanger ist und sich »ganz entspannt« beruflich neu orientieren will? Woher kommt das Geld für den Luxus-Kinderwagen und die Tasche von Celiné? Haben die Frauen einfach mehr Erfolg als ich und verdienen mit ihren kreativen Jobs Summen, von denen ich nur träumen kann? Das scheint unwahrscheinlich. Laut Datenreport 2016 des Statistischen Bundesamtes sind nur 58% Prozent der Frauen in Deutschland mit Kindern überhaupt berufstätig. Zwei Drittel von Ihnen sind in Teilzeit beschäftigt. Sind es vielleicht die Partner der Frauen, die das Geld für den zur Schau gestellten lifestyle verdienen?

Mein Blick fällt in meine Wohnung. Zwei Zimmer, Küche, Bad. Überall Stoffwindeln, um Babyspucke wegzuwischen. Ich selbst in Jogginghosen und Sweatshirtjacke mit Reißverschluss. Praktisch fürs Stillen. Seit Monaten schaue ich frustriert in den Kleiderschrank. Nichts passt mehr. Und das nicht nur körperlich, sondern auch mental. Ich muss erst noch in meiner neuen Rolle als Mutter ankommen.

Ich werde wütend. Vielleicht spricht ja nur der Neid aus mir. Aber ich denke, es ist mehr als das. Was mich nervt, ist, dass diese Seiten ein extrem geschöntes Bild von Mutterschaft transportieren und das wortwörtlich: Die Wohnungen sind schön, die Kleider sind schön, die Kinder sind schön – nicht mal das Essen oder der Hund sind davon ausgenommen. Alles ist gestylt und arrangiert.

Was diese Blogs abbilden, zeigt weder die Normalität einer durchschnittlichen Mutter noch Vielfalt. Sie zeigen finanziell gut gestellte, meist weiße Frauen in teuren Wohnungen, mit teurer Kleidung und teuren Kinderwagen. Mir geben sie das Gefühl: Wenn Dein Leben nicht so aussieht, machst Du leider etwas falsch. Das will ich nicht, deswegen verabschiede ich mich jetzt. Bye bye Mummy-Blogs!

 

Foto: Flickr – Alessandro Valli – CC BY–ND 2.0

 

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Ein Gedanke zu „Nie wieder Mummy-Blogs!“

  1. Ich schmeiß mich weg! Ich denke ähnlich, wenn ich die großen Mamablogs besuche und bin selber ein Familienbloggerin,aber #fürmehrrealität ;-). Liebe Grüsse

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